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Hans Jakob Christoffel
von
Grimmelshausen
I) Der Autor
(1620-1676):
Grimmelshausen wurde 1620 oder 1621 in Gelnhausen als Sohn
eines Gastwirtes geboren. Schon als Zwölfjähriger wurde Grimmelshausen
in die Wirren des Krieges gezogen. Er erlebte die Kämpfe in Westfalen, am
Oberreihn und an der Donau mit. Von Kroaten wird er geraubt und zum Musketier
gemacht. Nachweisbar war er 1639 - 47 als Garnisonsschreiber in Offenburg und ab
1650 am Westhang des Schwarzwalds als Gutsverwalters und ab 1667 als
Schultheiß in Renchen. Mindestens seit 1649 war er katholisch. Ohne
geregelte Schulbildung aufgewachsen hat G. autodidaktisch die Gelehrsamkeit
seiner Zeit aufgesogen und in der moralsatirischen Tradition des Oberreihns
seine geistige Heimat gefunden. Seine letzten Lebensjahre waren von den Wirren
des pfälzischen Erbfolgekrieges erfüllt. Er starb am 17.8.1676 in
Renchen (Baden).
II) Seine Werke:
Im "KEUSCHEN JOSEF (1666)", in "DIETWALD UND AMELINDE
(1670)" und "PROXIMUS UND LYMPIDA (1672)" suchte G. mit mäßigem
Erfolg den Anspruch des heroisch-galanten Romans zu genügen.
Zu seinem Hauptwerk "DER ABENTEUERLICHE SIMPLICISSIMUS
TEUTSCH (1669)" (in 5 Bänden) lieferte ihm der Schelmenroman das
Gerüst: Es ist in der Ichform erzählte Lebensgeschichte eines
jugendlichen Abenteurers, der sich, anfangs arglos, dann gewitzigt, vom
Glück hin-und hertreiben läßt, um am Ende einzusehen, daß
"der Wahn betrügt" und auf der Welt nichts so beständig ist wie die
Unbeständigkeit. Als Einsiedler entsagt er der Welt.
Diese pessimistische Weisheit färbt nicht nur auf G.s
krasse Schilderungen von Greueln und Lastern, sondern auch die von seinem
vitalen Humor geprägten grotesken Verzerrungen in seiner Darstellung.
Ähnlich gilt vom weiblichen Gegenstück des
SIMPLICISSIMUS, der "LEBENSBESCHREIBUNG DER LANDSTÖRTZERIN COURAGE (1670)",
und den gemäßigteren Abzweigungen des SIMPLICISSIMUS, dem "SELTZAMEN
SPRINGINSFELD (1670)", dem "EWIG WÄHRENDEN KALENDER (1670)" und dem
"WUNDERBAREN VOGELNEST (1672)".
Lange vergessen, ist G.s Werk erst in der Romantik
wiederentdeckt worden, aber erst 1837 ist sein Name, den er unter wechselnden
Pseudonymen verschlüsselt hatte, der Literaturgeschichte wiedergewonnen
worden. Seitdem gilt er als der phantasiereichste Fabulierer und kraftvollste
Erzähler der altdeutschen Zeit.
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